Versicherer skeptisch gegenüber Pflichtversicherungen von Naturkatatrophen

Ein Jahr ist es her, das Juni-Hochwasser 2013. Auf der "Naturgefahrenkonferenz" des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin wurde jetzt am Dienstag eine erste Bilanz gezogen. Schäden in Milliardenhöhe sind durch das Hochwasser in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg entstanden. 1,8 Millarden Euro wurden nach dem Hochwasser durch Versicherer an Privat- und Geschäftsleute gezahlt. Zudem Staat beteiligte sich der Staat mit ca. 8 Milliarden Euro am Wiederaufbau der durch das Hochwasser geschädigten Infrastruktur.

Ein Grund mehr für die Forderung der Bundesregierung nach einer Pflichtversicherung gegen die Schäden aus Naturkatastrophen ist wohl die Tatsache das nur für Sachsen die Kosten für den Aufbauhilfefonds noch um weitere 200 Millionen Euro ansteigen werden.


Auch wenn den Versicherern Millionen neue Kunden durch die Pläne der Bundesregierung in Aussicht stehen, begeistert sind sie nicht. Studien von Klimaforschern und Versichern zeigen, so Alexander Erland, Präsident des Versicherungsverbandes GDV, das sich Schäden aus Naturkatastrophen wie z.B. aus Erdrutschen, Strürmen und besonders Hochwässern "bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln oder gar verdreifachen können". Florian Pronold, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, hingegen hält die Einführng einer bezahlbaren Elementarschädenversicherung für alle für ein Zeichen der Solidarität einer Gesellschaft. Lars Gatschke, Experte des Bundesverbandes Verbraucherzentrale, merkte gegenüber Reuters an, dass eine Pflichtversicherung vom Grundsatz her sinnvoll sei, jedoch die Bezahlbarkeit einer solchen und vor allem zusätzliche Schutzmaßnahmen bedacht werden sollten. Erdland befürchtet, gerade durch Beispiele aus England oder Frankreich bestärkt, dass durch eine Pflichversicherung der Anzeiz zur eigenen und auch zur Prävention von staatlicher Seite aus verloren geht. Schon jetzt, so Erdland, verzichten Viele darauf sich privat gegen solche Risiken abzusichern, weil sie einerseits die möglichen Schäden unterschätzen und sich andererseits zu sehr auf den Staat verlassen, nach dem Motto "Vater Staat wird es schon richten". Auch wenn die Kosten einer Elementarschädenversicherung in Risikogebieten höher sei als in nicht Risikogebieten, jedes Gebäude sei versicherbar und im Schadensfall müssten Nichtversicherte dann auch die finanziellen Folgen selbst tragen. Neben Erdland plädiert auch Bernhard Gause, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des GDV und Naturkatastrophenexperte, für eine private Risikoabsicherung. Er weist aber darauf hin, dass z.B. Kommunen in solchen Risikogebieten finanzschwächere Versicherte beim Selbstbehalt höherer Prämien unterstützen könnten.


Information und Eigenverantwortung - Hier sieht der GDV Potential. Bundesregierung, Länder, Verbraucherschützer, Wasserwirtschaft und Versicherungswirtschaft sollten zusammenarbeiten um die diese Ziele umzusetzen. Information und eigene Prävention seinen besonders angesichts der Tatsache, dass 85 Prozent der Hochwasserschäden von 2013 in Gebieten entstanden sind, die gar nicht als Hochrisikozonen eingestuft waren, angebracht.



Quelle: www.welt.de, www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de




Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden