Stromversorger drehen an der Preisschraube

Langfristige Lieferverträge. Ist das wirklich die Erklärung für die beinahe schon riesig zu nennende Preisdifferenz zwischen privaten Haushalten und Industrie im Strombereich?

Die Nachrichtenagentur AP berichtet unter Berufung auf bislang noch unveröffentlichte Unterlagen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dass im letzten Jahr die allgemeine Teuerungsrate im Stromsektor bei gerate einmal 0,5 Prozent lag. Die Preise für Öl und Gas seien sogar gesunken. Der Strompreis für einen Durchschnittshaushalt hat sich seit vergangenem Jahr jedoch um 7 Prozent erhöht. Ein 3-Personenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von ca. 3500 Kilowattstunden zahlt seit der Freigabe des Strommarktes in den 90er-Jahren demnach rund 15 Euro mehr pro Monat. Im Gegensatz dazu geben Industrieunternehmen bei Neuverträgen gegenwärtig 26 Prozent weniger als 2008 für Strom aus. Die Preisdifferenz erklärt sich laut Verbandschefin Hildegard Müller damit, dass die Versorger des Strom für Haushalte zum Großteil ein bis zwei Jahre im Voraus einkauften und dort die Preise noch höher gewesen seien. Außerdem weist der BDEW darauf hin, dass die staatlichen Abgaben seit 1998 auf heute 40 Prozent der Stromrechnung angestiegen seien, also für jede Musterfamilie von 12 auf 26 Euro.
Das Bundeskartellamt geht seit vergangener Woche jedoch dem Verdacht nach, dass die großen Stromunternehmen absichtlich für eine Verknappung und damit für einen Preisanstieg sorgen. Die Strompreise an der Leipziger Strombörse EEX und im Großhandel könnten demnach künstlich verteuert worden sein. Die 60 branchengrössten Unternehmen sollen jetzt Auskunft über ihr wirtschaftliches Vorgehen, wie z.B. die Kosten der Stromproduktion und ihr Angebotsverhalten geben. Hintergrund dieser Untersuchung des Kartellamtes ist, dass etwa 80 Prozent der deutschen Stromproduktion in den Händen von nur vier Konzernen (RWE, E.on, Vattenfall und EnBW ) liegen.

Verbraucherschützer raten den Kunden von ihrem Wechselrecht Gebrauch zu machen. In 2007 haben lediglich 4,23 Prozent aller Haushaltskunden diese Möglichkeit genutzt, obwohl sich dadurch für einen Durchschnittshaushalt eine Ersparnis von bis zu 300 Euro ergeben kann.


Quelle: www.welt.de


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