30-Stunden-Woche - Mehr Jobs durch weniger arbeiten?

Mehr als drei Millionen Erwerbslose gibt es in Deutschland. Bei dieser Zahl kann man schon von einer Unterbeschäftigung reden, die volkswirtschaftlich nicht zu vertreten sei, stellte eine Initiative aus Professoren, Gewerkschaftern, Politikern sowie Vertretern von Kirchen und Umweltverbänden, die Memorandum-Gruppe, in einem offenen Brief fest und fordern die Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollen Lohnausgleich.


Durch die Absenkung der individuellen Arbeitzeit sollen ingesamt mehr Menschen in eine Anstellung gebracht werden. Denn neben drei Millionen Arbeitslosen gibt es ebensoviele Menschen in Deutschland die in Teilzeitbeschäftigungen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von durchschnittlich 14,7 Stunden arbeiten. Also 400- bzw. 450-Euro-Jobs die nicht zur Finanzierung des Lebensunterhalts ausreichen. Durch die 30-Stunden-Woche soll, so Mohssen Massarrat, Sozialwissenschaftler und Mitverfasser des offenen Briefs, "Eine faire Verteilung der Arbeit durch kollektive Arbeitszeitverkürzung" erreicht werden. Viele Arbeitssuchende führen auf dem Arbeitsmarkt zu einem Überangebot an Arbeitskräften und damit zu sinkenden Löhnen wird in dem Brief argumentiert. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen in Europa versteht sich das Projekt nicht als deutsche sondern als gesamteuropäische Aufgabe.


Unklar ist dabei aber wie die Forderung der Initiative nach der 30-Stunden-Woche finanziert werden soll. Rein theoretisch ist die geforderte Arbeitszeitverkürzung durchführbar, "wenn dazu die Produktivitätssteigerungen, die oberhalb der realen Wachstumsraten der Wirtschaft liegen" berücksichtigt werden. Aber entsteht durch die Kürzung der Arbeitszeit auch wirklich eine höhere Produktivität? Und warum sollten Unternehmen politisch verordneten einer Umverteilung ihrer Gewinne zustimmen, wenn politisch verordnete Änderungen so schon nicht durchgeführt werden? Bestes Beispiel bislang, die Frauenquote für Führungspositionen, in Vorständen und Aufsichtsräten.


Aber es gibts auch ganz andere, als die von der Memorandum-Gruppe diskutierten Gründe, die für die Einführung einer 30-Stunden-Woche sprechen. Familie und Beruf sind bei einer 40-Stunden-Woche und Überstunden, wenn beide Partner Vollzeit arbeiten oder für Alleinerziehende nur schwer realisierbar. 400/450-Euro-Jobs für gut ausgebildete sind das Ergebnis, auch wenn gern mehr, nur nicht volle 40 Stunden die Woche gearbeitet werden könnte. Ein anderer Grund wäre die Gesundheit. Gesündere können länger arbeiten und wenn sie wollen auch über die Regelrentenzeit hinaus. Das würde dem von Politiker und in der Presse oft erwähnten Fachkräftemangel entgegenkommen. Aber wird zur Lösung dieser Probleme wirklich eine kürzere Arbeitszeit benötigt? Wie wäre es mit mehr Flexibilität der Arbeitszeit?


Quelle: www.zeit.de,www.taz.de,www.handelsblatt.com



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